Festivalbericht 2004
3. Europäisches Musikfest EUROPAMUSICALE
„Deutschland begrüßt die EU-Beitrittsländer“
02. - 30. Mai 2004 Abschlussbericht
Unter dem Titel „Deutschland begrüßt die EU-Beitrittsländer“ war das 3. Europäische Musikfest EUROPAMUSICALE den zehn Beitrittsländern zur Europäischen Union gewidmet. Im Beitrittsmonat Mai 2004 tourten die musikalischen Repräsentanten Estlands, Lettlands, Litauens, Maltas, Polens, Sloweniens, der Slowakei, Tschechiens, Ungarns und Zyperns durch Deutschland - im Gepäck die Werke ihrer landeseigenen Komponisten, die es dem Publikum vorzustellen galt.
Festivalspielorte waren diesmal die traditionsreichen Konzerthäuser Berlins (Konzerthaus am Gendarmenmarkt), Leipzigs (Gewandhaus zu Leipzig), Münchens (Philharmonie, Prinzregententheater, Münchner Residenz) und Wiesbadens (Kurhaus Wiesbaden): In insgesamt 36 Konzerten und einem Sonderkonzert in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Mozartfest Augsburg konnte auch in diesem Festivaldurchgang wieder ein Zeichen für die Erhaltung der musikalischen Vielfalt Europas gesetzt werden.
Ein kulturpolitischer Erfolg
Schon bei den vergangenen Festivals EUROPAMUSICALE in den Jahren 1993 und 2000 hatte seine kulturpolitische Grundidee überzeugt: Getreu dem Motto „Kennenlernen - Achtenlernen“ sollte das Zusammenwachsen Europas durch die Kultur gefestigt und gestärkt werden. Dies erschien besonders wichtig vor dem Hintergrund der bevorstehenden EU-Erweiterung um zehn Staaten Mittel- und Osteuropas, um bestehenden Vorbehalten gegenüber diesen Ländern etwas entgegenzusetzen.
Die angesprochenen Künstler und Kulturverantwortlichen der Länder zeigten sich spontan begeistert von der Idee, den politischen Akt der EU-Erweiterung auf kultureller Ebene zu begleiten. Herr Romano Prodi, Präsident der Europäischen Kommission und Schirmherr des 3. Europäischen Musikfestes begrüßte das Festival als Impulsgeber eines geeinten Europas, „dem nicht nur politische Ideale und wirtschaftliche Bestrebungen zugrunde liegen, sondern das sich auch und vor allem auf eine absolut notwendige soziale, kulturelle sowie humane Dimension stützt“.
Auch die Presse würdigte das 3. Europäische Musikfest als herausragendes kulturelles Ereignis mit europapolitischer Symbolkraft. Näheres hierzu erfahren Sie im beiliegenden Pressespiegel.
Ein besonderes Programm
Wie auch bei den vorangegangenen Festivals EUROPAMUSICALE wurde pro Teilnehmer-staat ein herausragender musikalischer Repräsentant ausgewählt. Dazu stand Professor Dr. Siegfried Mauser, der Künstlerische Leiter des Festivals, mit den Botschaften und Kultur-institutionen der entsprechenden Länder in engem Kontakt. Es entstand ein Kaleidoskop europäischer musikalischer Vielfalt, das von Zyperns erstklassigem Pianisten Cyprien Katsaris über das exzellente Tartini Quartett aus Slowenien, Kammermusikformationen wie die spritzigen Riga Chamber Players (Lettland) und St. Christopher Kammerorchester (Litauen) bis hin zum ungarischen Danubia Jugend Sinfonieorchester, der mitreißenden Slowakischen Philharmonie und der renommierten Sinfonietta Cracovia unter Leitung Krzysztof Pendereckis (Polen) reichte. Das Manoel Theatre aus Malta entsandte eine junge Kammermusikformation, die Werke der aktuellsten maltesischen Musik vorstellte. Zu den Höhepunkten des Festivals gehörten unumstritten die Konzerte von NYYD-Ensemble, einem auf die Neue Musik spezialisierten Ensemble aus Estland, und der Tschechischen Musica Florea, die als musikalischen Gegenpart und festlichen Festivalabschluss ein barockes Festoratorium von Jan Dismas Zelenka zur Aufführung brachte.
Durch die besondere Programmgestaltung von EUROPAMUSICALE, die Werke landes-eigener Komponisten in den Mittelpunkt stellt - und damit abseits der üblichen Konzertpro-gramme mit den Werken der Heroen Bach, Haydn, Mozart usw. agiert -, ergab sich ein durchaus anspruchsvoll zu nennendes Programm. Bedingt durch geschichtliche Konstellatio-nen in den einzelnen Ländern kam auch beim 3. Europäischen Musikfest wieder viel Musik des 20. und 21. Jahrhunderts zur Aufführung.
Eine besondere Struktur
Wie schon das 2. Europäische Musikfest EUROPAMUSICALE, fand auch das Festival im Jahr 2004 in verschiedenen Festivalstädten statt. München als Geburtsstätte von EUROPAMUSICALE und Berlin als Bundeshauptstadt waren von Anfang an fest geplant. Um dem Festivalmotto „Deutschland begrüßt die EU-Beitrittsländer“ gerecht zu werden, wurden zwei weitere Festivalstädte eingebunden: Die Bach-Stadt Leipzig im Osten und Hessens Hauptstadt Wiesbaden im Westen Deutschlands erschienen hierfür geeignet.
Ein besonderes Publikum
Eine bedeutsame Folge der programmatischen Vorgaben von EUROPAMUSICALE ist, dass publikumswirksame Erkennungsmerkmale wie vertraute Solistennamen und bekannte Werke in der Regel nicht angeboten werden können. Diejenigen Konzertbesucher, die trotzdem wagten, eines der Festivalkonzerte zu besuchen, wurden mit ausgezeichneten musikalischen Kostproben und exzellenter Musizierkunst belohnt. Das Publikum dankte den Blick über den Tellerrand mit vielfach begeistertem Beifall.
Die Besucherzahlen fielen in den verschiedenen Festivalstädten sehr unterschiedlich aus. Den größten Zuspruch fand das Festival mit nahezu 5.000 Besuchern bei neun Konzerten in München, es folgte Berlin bei acht Konzerten mit rund 3.700 Besuchern. In Wiesbaden und Leipzig blieb die Akzeptanz des Neuen mit rund 1.900 Besuchern bedauerlicherweise unter den Erwartungen. Wir führen dies unter anderem auch darauf zurück, dass EUROPAMUSI-CALE in diesen Städten erstmals stattgefunden hat.
Die Schirmherren
Wie auch beim vergangenen Festival im Jahre 2000 übernahm auch für das 3. Europäische Musikfest Herr Romano Prodi, Präsident der Europäischen Kommission, die Schirmherr-schaft über das Gesamtfestival. Zusätzlich konnten der Ministerpräsident des Freistaates Sachsen, Herr Professor Dr. Georg Milbradt, für die Schirmherrschaft des Festivals in Leipzig sowie Herr Roland Koch, Ministerpräsident von Hessen, für die Schirmherrschaft der Wiesbadener Konzerte im Rahmen von EUROPAMUSICALE gewonnen werden.
Veranstaltungspartner, Förderer und Sponsoren
Das 3. Europäische Musikfest EUROPAMUSICALE wurde aus öffentlichen Mitteln gefördert vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst ( Festivalbeitrag München), dem Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst (Festivalbeitrag Leipzig), dem Deutschen Auswärtigen Amt (Festivalbeitrag Leipzig) sowie den Kulturminis-terien der Länder Estland, Lettland, Litauen, Polen, der Slowakei, Sloweniens, Tschechiens, dem Ministerium für kulturelles Erbe der Republik Ungarn, dem Kultur- und Kunstrat der Republik Malta, der Verwaltung der Tschechischen Zentren sowie dem Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds.
Auch von privatwirtschaftlicher Seite erfuhr das Festival wertvolle Hilfe: Die Firma E.ON übernahm mit ihren Tochterunternehmen E.ON Bayern AG, E.ON Bohemia, E.ON Hungaria und Západoslovenská energetika Konzertpatenschaften für die Länderbeiträge der Slowakei, Tschechiens und Ungarns.
Eine Konzertpatenschaft für die drei baltischen Länder Estland, Lettland und Litauen übernahm die Ruhrgas Energie Beteiligungs-AG (RGE).
Furore machte die Idee der GE Frankona RE, insgesamt 1.000 Konzertkarten für Jugendliche bereitzustellen, die über die EUROPAMUSICALE verlost wurden.
Weitere Unterstützung kam von der Konzertgesellschaft München e.V. und der Europäi-schen Kulturstiftung EUROPAMUSICALE, die erstmals einen namhaften Beitrag zur Finanzierung des Festivals leistete.
Ebenso unterstützten rund 50 Unternehmen das 3. Europäische Musikfest durch Geld- und Sachspenden.
Nicht zu vergessen die wertvolle ideelle und zum Teil auch wirtschaftliche Unterstützung von Seiten der Botschaften und Konsulate aller zehn Beitrittsländer.
Die Medienpartner
Den Veranstaltern des 3. Europäischen Musikfestes EUROPAMUSICALE ist es gelungen, die großen Tageszeitungen der Festivalstädte als Medienpartner zu gewinnen: Die Leipziger Volkszeitung, die Süddeutsche Zeitung und der Wiesbadener Kurier kooperierten mit EUROPAMUSICALE in den Bereichen Werbung und Öffentlichkeitsarbeit. Zahlreiche Zeitungen im In- und Ausland berichteten in Vorberichten und Konzertkritiken von den Festivalkonzerten.
DeutschlandRadio Berlin war der federführende Rundfunkpartner des 3. Europäischen Musikfestes EUROPAMUSICALE. Gemeinsam mit Radio Berlin Brandenburg übertrug es live (6 Konzerte) oder zeitversetzt (2 Konzerte) alle in Berlin stattfindenden Festivalkonzerte.
Der tschechische Länderbeitrag, der in Berlin nicht zu Gast gewesen war, wurde vom Bayerischen Rundfunk in München aufgezeichnet.
Alle Konzerte wurden über die European Broadcasting Union (EBU) den internationalen Rundfunkstationen angeboten. Neben National Public Radio aus den USA und NHK aus Japan übernahmen 20 europäische Rundfunkstationen insgesamt 100 Konzertübertra-gugen. Hervorzuheben sind hierbei die Sender Lithuanian Radio (LR), Polish Radio (PR), Romanian Radio (ROR) und Magyar Rádió (MR), die sich für alle angebotenen Konzerte entschieden. (s. beiliegende Aufstellung der übertragenden Rundfunkstation