Pressestimmen zum 4. Europäischen Musikfest EUROPAMUSICALE 2007 „Wege des Nordens“ 

 

Auf in den Süden
„Mit der genialisch-exzentrischen Fünften Symphonie des Dänen [Carl Nielsen] ist die Reise in den hohen Norden endlich zu ihrem Ziel gelangt. Von den ersten zarten Streichergespinsten bis zum monumental-archaischen Schluss fühlen sich die Musiker [Odense Symfoniorkester] hörbar in ihrem Element. In nie nachlassender Spannung verhelfen sie dem spröden Meisterwerk zu kontrastreicher Klangfülle: ein eindrucksvolles Plädoyer für den musikalischen Reichtum jenseits der Nord- und Ostsee.“

Stephan Schwarz, Süddeutsche Zeitung, 5.11.2007



Mächtig auftrumpfende Werke
„Wenn die Veranstalter den Zuhörer beim vierten Europäischen Musikfest diesmal auf die ‚Wege des Nordens’ führen, geht die Reise dabei auch über manche Nebenstraße. An deren Wegesrand verstecken sich zahlreiche Werke, denen man im normalen Konzertleben nur selten begegnet. [...] Mit dem Odense Symfoniorkester hat man sich dazu ein Ensemble eingeladen, das diese Musik sozusagen mit der Muttermilch eingesogen hat und die Begeisterung für seinen Nationalkomponisten [Carl Nielsen] nun in jedem Takt fühlen ließ. [...] Dass die Gäste mit derart groß dimensionierten Werken bestens umzugehen wissen, hatten sie zuvor mit Edward Elgars Konzertouvertüre ‚In the South’ bewiesen, in welcher ebenfalls schweres Geschütz aufgefahren wird.“
Tobias Hell, Münchner Merkur, 5.11.2007


Dänen mit klarem Kopf
„Zu zweifelsfrei großer Form liefen Orchester [Odense Symfoniorkester] und Dirigent aber mit der 5. Sinfonie des Dänen Carl Nielsen von 1922 auf. Feinste Partikel, die jedoch die Konstruktion dieses grandiosen Stücks bestimmen, sind hier von Anfang an mit scharfer Präzision gezeichnet worden [...]. Hier ging es nicht ums Schwelgen in Stimmungen und imaginären Landschaften, sondern um das Nachvollziehen konstruktiver Überlegungen bei klarem Kopf. Am Ende entschuldigte sich Paul Mann [...] beim begeisterten Publikum, dass er keine Zugabe habe. Aber nach diesem Stück – der ‚bedeutendsten dänischen Sinfonie’ – sei das ungebührlich. Recht hat er.“
Jan Brachmann, Berliner Zeitung, 6.11.2007



Sehnsucht ist ein finnisches Gefühl
„Sehnsucht ist ein finnisches Gefühl, und es ist Parodieresistent. Auch als Numminen zu seinen dadaistischen und parodistischen Klassikern schritt, blieb sie präsent. Auch dank Piedro Hietanen, ein Prackl Mann mit großem Feingefühl am Akkordeon. ‚Wenn ein Stern vom Himmel fällt’ wird der Schmalz weggeblasen: ‚Dann wird es schö-öh-öh-öö-n sein’? War es doch längst!“
TZ München, 7.11.2007


Neue Königin
„Sie war der Überraschungsgast des Konzerts mit dem Stavanger Symphony Orchestra – und seine Königin: Antje Weithaas sprang für den erkrankten jungen Schweden Martin Fröst ein [...].[...] Hier zeigte sich auch das Orchester aus Norwegens Süden von seiner besten Seite, musizierte ebenso farbenreich wie weich abgetönt und zu leuchtkräftigen Akzenten fähig.“
Klaus Kalchschmid, Süddeutsche Zeitung, 10.11.2007


Aufregende Geysire
„Was für ein ungetrübter Genuss beim bislang aufregendsten Konzert der Europamusicale zum Thema ‚Wege des Nordens’ in der Philharmonie – mit dem Iceland Symphony Orchestra aus der isländischen Hauptstadt Reykjavik unter der Leitung des temperamentvollen und charismatischen Briten Rumon Gamba. Schon das Programm war fesselnd [...].“
Klaus Kalchschmid, Süddeutsche Zeitung, 12.11.2007


Farbvielfalt aus Lettland
Die vier jungen Musiker [Altera Veritas] [...] erhielten für die farbige Vielfalt ihres Programms zu Recht begeisterten Applaus. [...] ‚Raudu deja’ von Vilnis Smidbergs [...] eröffnete neue und grotesk-schöne Welten des Klangs und des plastischen Ausdrucks. [...] Mit ‚Little Paganini’ [...] löste sich der tiefe Ernst der Musiker, die stets mit präzisem Spannungsreichtum und klangfarbenreicher Dynamik beeindruckten.“
Augsburger Allgemeine, 12.11.2007


Drama der Zerissenheit
„Anu Tali hat Erfolg. Weniger als dirigierendes Fräuleinwunder aus dem hohen Norden denn als hochbegabte Dirigentin [...]. So tief, so aufwühlend hat man Tschaikowsky letzte Sinfonie, die ‚Pathetique’, selten gehört. [...] Vom kläglichsten Kontrabasswimmern bis zum wüstesten Aufbrausen des gesamten Klangkörpers zieht Anu Tali alle Register und scheut sich auch nicht vor scheinbaren Übertreibungen.“
Stephan Schwarz, Süddeutsche Zeitung, 17.11.2007


Tschaikowsky ohne Sentimentalität
„Bei der deutschen Erstaufführung [Erkki-Sven Tüür ‚Strata’] stand Anu Tali am Pult des Nordic Symphony Orchestra. Dabei schien sie sich umso wohler zu fühlen, je mehr es im Orchester brodelte. Dank klarer Schlagtechnik hatte sie selbst größte Formationen fest im Griff. Bei Tschaikowskys ‚Pathetique’ umschiffte Tali die Klippen der Sentimentalität. Wenn es süßlich zu werden drohte, legte die Dirigentin einfach einen Gang zu – was ihre Musiker im dritten Satz an die Grenzen des Spielbaren führte.“
Tobias Hell, Münchner Merkur, 19.11.2007


Die Seele als Schiff
„Ralph Vaughan Williams’ 1910 uraufgeführte ‚Sea Symphony’ [...] war das Hauptwerk des Abends. [...] Bach-Chor und Bayerisches Symphonieorchester meisterten ihre Aufgaben hervorragend.“
Klaus Kalchschmid, Süddeutsche Zeitung, 28.11.2007