Bulgarien

Orthodoxe Musik und bulgarische Folklore für Frauenstimmen

Di, 05. Mai 2009,
Allerheiligen-Hofkirche der Residenz München 20 Uhr

Konzerteinführung um 19 Uhr in der Allerheiligen-Hofkirche

Sofia Chamber Choir

Programm


Orthodoxe Musik für Frauenstimmen


Joan Koukouzelles (1280 - 1360)
Slava Ottsu I Sinu (Glory to the father and Son)
Dobri Christov
(1875 - 1941)
Svete tihii (Rediant Light)
Petar Dinev
(1891 - 1980)
Tropar on St.St Cyrilos and Methodius
Ivan Spassov (1934 - 1996)
Holy Bulgarian Liturgy (Auszüge)
Alexander Tekeliev
(*1942)
Dostoino est
Anonymous
Dostoino est (Meet it is)  
Alexander Tanev (1928 - 1996)
Tebe poem (We sing Thee)  
Dobri Christov (1875 - 1941)
Cherubim song
                                                    
PAUSE 

Folklore für Frauenstimmen

Philip Koutev (1903 - 1982)
Dragana and the Nightingale
Polegnala e Todora
Dimianinka
Petko Staynov (1896 - 1977)
Ela se vie, previva       
Izrasla e trepetlika
Alexander Tanev (1928 - 1996)
Leka not, pole  
Moia da bade devoika
Milko Kolarov (*1947)
Ideshe esen   
Zima               
Ivan Spassov (1934 - 1996)
Mehmetio, sevda golema
Krassimir Kiurkchiiski
(*1936)
Dilmano, dilbero

Programmbeschreibung


Der erste Teil des Konzertprogramms besteht aus orthodoxer Musik der besten bulgarischen Komponisten über einen Zeitraum von sieben Jahrhunderten hinweg (14.-20. Jahrhundert). Seit jeher stellt der Gesang ein besonderes Merkmal der bulgarischen Bevölkerung dar. Die Thrakische Kultur existiert seit dem Jahr 5000 v. Chr. und ist somit die älteste kulturelle Erscheinung in Europa.

Nach seiner Entstehung im Jahre 681, wurde Bulgarien zu einem der mächtigsten Staaten Europas (9.-10. Jahrhundert) und die offizielle Bekenntnis zum Christentum im Jahr 865 war von zentraler Bedeutung für die mittleralterliche bulgarische Kultur. Im Bereich der Musik, im Besonderen zwischen Bulgarien und Byzanz, bestanden bilaterale, wechselseitige Beziehungen von Einflüssen, die im Großen und Ganzen von den Athos Klöstern aufrechterhalten wurden. Bulgariens religiöse Gesänge, die eng mit den Traditionen des Empires verknüpft waren, wurden von allen Eigenschaften des byzantinischen Stils geprägt.

Eine wichtige Persönlichkeit trat Ende des 13. Jahrhundert in Erscheinung: Joan Koukouzelles lebte zu einer Zeit kultureller Zusammenarbeit der orthodoxen Balkan-Staaten. Sein Beitrag zur orthodoxen Musik ist bemerkenswert.

Während der fast 500 Jahre andauernden Herrschaft der Ottomanen ab Ende des 14. Jahrhunderts wurden der bulgarischen Kultur schlimme Schäden zugefügt. Eines der wichtigsten Dinge, die den Geist Bulgariens über die Jahre der Fremdherrschaft aufrecht erhielt, waren die musikreiche Volkstradition und der alte ortodoxe Gesang in den Klöstern. Dank dieser historischen Umstände gab es einen intensiven wechselseitigen Einfluss zwischen den orthodoxen Liedern und den Volksliedern und sogar heute noch kann eine große Anzahl anonymer orthodoxer Gesänge in der Liturgie gefunden werden.

Als Ergebnis eines langen politischen Kampfes wurde 1870 die Unabhängigkeit der
bulgarischen Kirche ausgerufen und die Liturgien wieder ins Alt-Slawische und Bulgarische zurück übersetzt. Es war kein Zufall, dass während dieser Zeit die ersten polyphonen Chöre in verschiedenen bulgarischen Städten gegründet wurden.

Der russisch-türkische Krieg (1877-1878) brachte dem bulgarischen Staat die nationale Freiheit. Gleichzeitig führte er auch zu bedeutenden Entwicklungen im Bereich der Musik. Nach der Befreiung wurden einige russische Dirigenten eingeladen, um in bulgarischen Kirchen zu arbeiten, außerdem gründeten und leiteten auch viele bulgarische Lehrer Chöre. Eine besondere Persönlichkeit trat in dieser Zeit in Erscheinung - Dobri Christov. Seine Werke zählen zu dem wertvollsten des bulgarischen Musikerbes.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sind viele Komponisten Christovs Beispiel gefolgt und haben orthodoxe Musik in dem neuen nationalen Stil geschrieben. Der wichtigste unter diesen war Petar Dinev (1889-1980), der den bulgarischen Gesang in Russland wissenschaftlich erforschte, zahlreiche Werke komponierte und Gesänge von John Koukouzelles aus der Notation der Neumen in die moderne Notation übersetzte. Das kommunistische Regime stoppte diese Entwicklung für 50 Jahre. Von 1944 bis 1989 wurde orthodoxe Musik in Bulgarien verboten und nur wenigen Kirchenchören wurde es gestattet, in ihren eigenen Kirchen aufzutreten.

Die politischen Veränderungen im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts brachten neue Bewegung mit sich und die Menschen wandten sich wieder ihrem orthodoxen Glauben zu. Nach 1989 wurden viele Kirchen neu gegründet und restauriert. Die Entwicklung im Bereich der säkularen bulgarischen Musik unterschied sich grundlegend von der der Kirchenmusik. Seit dem 19. Jahrhundert sind die bulgarischen Komponisten sehr aktiv gewesen, Volkslieder zu arrangieren und neue Musik im Stil der Volkslieder zu komponieren. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kreierten talentierte und gut ausgebildete Komponisten einen nationalen Kompositionsstil.

Zwei prominente Persönlichkeiten waren von außerordentlicher Wichtigkeit für die nationale Chor-Kultur: Dobri Christov und Pekto Staynov - Komponisten, Dirigenten, Musikwissenschaftler und Anführer der bulgarischen Chorbewegung - beförderten die bulgarische Chorkunst auf ein höheres Niveau. Ihre unglaublichen Anstrengungen basierten auf der Vorstellung der Chor-Musik als einer einheitsstiftenden Kraft in der Gesellschaft. Dank ihrer Bemühungen wurden bestehende Chöre mehr und mehr aktiv und viele neue Chöre gegründet. Ihre eigenen Werke (Lieder und Kirchenmusik von D. Christov, Lieder und Chorballaden von P. Staynov) bilden einen ansehnlichen Teil des nationalen Chorrepertoires. Ein Vorkommnis mit einem extrem großen Einfluss auf die bulgarische Chor-Kultur war die Gründung des ersten staatlichen Ensembles für Volksmusik und –tanz durch Philip Koutev (1903-1982) in 1951. Er erfand eine neue Art des Arrangements von Volksliedern, blieb aber den traditionellen Tonarten und Modi treu.

Eine wertvolle Errungenschaft des Fortschritts der bulgarischen Chöre war die starke Bindung zwischen den Chören, ihren Dirigenten und Komponisten, die ihre Stücke verschiedenen Chören widmeten, je nach deren spezifischer stimmlicher Eigenschaften und der Qualität ihrer Ausdrucksstärke.

Eine Anzahl hervorragender Stücke für Chor wurde speziell für den Sofia Chamber Chor komponiert und viele Komponisten widmeten ihre Arbeit auch diesem Chor. Einige gute Beispiele für diese ertragreiche Partnerschaft sind Stücke von Alexander Tanev und Milko Kolarov, die beide gute Freunde und künstlerische Partner von Vassil Arnaoudov, dem Patron des Chores, waren.

Die letzten zwei Stücke des Programmes stellen zwei sehr wichtige bulgarische Komponisten vor. Der Kopf der bulgarischen Musik- Avantgarde Ivan Spassov (1934-1996) kreierte in den 1970ern einen neuen Kompositionsstil, der Volksmelodien mit zeitgenössicher Kompositionstechnik vermischt. »Mehmetio« war das Schlüsselwerk in diesem neuen Stil. Krassimir Kiurkchiiski (*1936) ist ein Komponist, dessen Volksmusik bei weitem die Traditionen überschreitet. Für seine Musik (symphonisches Genre, Opern, Ballett) benutzt er recht oft einfache Volkslieder als Inspiration. »Dilmano, dilbero« ist sein berühmtestes auf Volksliedern basierendes Chorstück.

Sofia Chamber Choir

Theodora Pavlovitch
Dirigentin

Förderer