
Judith - Ein biblisches Musikdrama aus dem Kroatien der Renaissance
Fr, 01. Mai 2009
Allerheiligen-Hofkirche der Residenz 20 Uhr
Ensemble Dialogos
Katarina Livljanić Gesang
Albrecht Maurer Fidel und Lirica
Norbert Rodenkirchen Flöten und Dvojnice
Sanda Hržić Inszenierung
Jean-Marie Jobard Untertitel
Pismu novu, svi pivajmo (Traditioneller Advents-Choral aus Veli Varoš/Split)
O, prislavna Božja Mati
(Traditioneller Advents-Choral aus Stari Grad/Insel Hvar)
Sanctus Hosanna dulcis est cantica (Sanctus mit Tropen)
Zadar, Dokumentensammlung des Klosters St. Maria, 13. Jhdt.
Jube domine nos tibi laudes canere (Polyphones Weihnachtsepistel)
Zagreb, Antiphonale des Oswald Thuz, Metropolitan Library, MR 10, 15. Jhdt.
O, Bog se rodo, Vitlijanjo (Traditioneller Weihnachts-Choral aus Supetarska Draga/Insel Rab) Arrangement: Joško Ćaleta
Spavaj, spavaj, ditiću (Traditioneller Weihnachts-Choral aus Veli Iž, Lišane Ostrovičke, Ravni Kotari) Arrangement: Joško Ćaleta
In principium erat verbum (Weihnachts-Evangelium)
Trogir, Evangelistar, Schatzkamer der Kathedrale, 15. Jhdt.
Velika nam djela učini, Gospodin (Weihnachts-Graduale aus Stari Grad/Island Hvar)
Pistula (Advents-Epistel aus Stari Grad/Insel Hvar)
U se vrime godišta (Traditioneller Weihnachts-Choral aus Vrana und Polača/Ravni Kotari) Arrangement: Joško Ćaleta
Annuntiamus vobis universali gaudio / Naviscujemo vam opceno veselje
(Ankündigung der beweglichen Festtage) Osor Evangelistar, Biblioteca Apostolica Vaticana, Borg. lat. 339, 11. Jhdt. (Zusatz von 1375); Zadar Lektionar, Österreichische Nationalbibliothek, Wien, suppl. 3422, 15. Jhdt. Rekonstruktion der Melodie: Katarina Livljanić
Tri su kralja idrila (Traditioneller Choral zu Epiphanie aus Vinišće/Region Trogir) Arrangement: Joško Ćaleta
Kad se Isus, Ditić, u Betlem porodi (Traditioneller Choral zu Epiphanie aus Stari Grad/Insel Hvar) Arrangement: Joško Ćaleta
Tota pulchra est Maria (Gebet)
Zadar, Franziskaner Kloster, Cantuale Frane Divnic, 17. Jhdt. Arrangement: Katarina Livljanić
PAUSE
Slava, čast i hvala ti (Traditioneller Choral zum Palmsonntag aus Stari Grad/Insel Hvar)
Plač Jeremije Proroka (Lamento aus Stari Grad/Insel Hvar) Arrangement: Ljubo Stipišić
Ante sex dies (Responsorium zum Palmsonntag)
Zadar, Ordinariat, ms. 38, 12. Jhdt.
Potamnjele oči moje (Traditioneller Choral zum Gründonnerstag von der Insel Korčula) Arrangement: Jakša Primorac
Ante diem sanctum Paschae (Antiphon zum Gründonnerstag)
Agenda pontificalis, Zagreb, Metropolitan Library, ms. 165, 11. Jhdt.
Križu sveti, križu blagi (Traditioneller Choral zum Karfreitag aus Bol/Insel Brač)
Arrangement: Joško Ćaleta
Crucem tuam adoramus (Antiphon zur Anbetung des Kreuzes zum Karfreitag)
Dubrovnik missale, Oxford, Bodlean Library, Canon. Lit. 342, 13. Jhdt.
Ego sum alpha et omega (Antiphon)
Korcula, Schatzkammer der Kathedrale, 12. Jhdt.
Ja se kajem bože mili (Traditioneller Fasten-Choral aus Slivno Vlaka/Neretva Tal)
Arrangement: Joško Ćaleta
Govorenje Judino skalam na obisenje hodeci (Gedicht)
Vartal, Zagreb, Archive HAZU, ms. IV a 31, 16. Jhdt. Rekonstruktion der Melodie: Katarina Livljanić
Štrofa (Traditioneller Prozessionschoral zum Gründonnerstag aus Vrbanj/Insel Hvar)
Kantanje (Klagelied der Jungfrau aus Zagvozd/Imotska krajina)
Arrangement: Joško Ćaleta
Svit se konca (Gedicht)
Pariser Liederbuch, Paris, BNF, ms. slav. 11, 14. Jhdt.
Rekonstruktion der Melodie: Katarina Livljanić
Puče moj (Karfreitag Impromperia (Klagen) aus Brist/Region Makarska)
Arrangement: Joško Ćaleta
Judith – Ein biblisches Musikdrama aus dem Kroatien der Renaissance
Musikalisches Arrangement: Katarina Livljanic
Die biblische Geschichte von Judith, einer bethulianischen Witwe, die ihren Feind Holofernes tötet, um ihr Volk zu befreien, ist ein Meilenstein in der mittelalterlichen Literatur Kroatiens und wurde von Marko Marulic, einem dalmatischen Dichter des 16. Jahrhunderts, in Versen verfasst. Marulic schrieb die Geschichte in Kroatisch, der Sprache alter traditioneller glagolitischen Poeten. Es ist einer der wenigen Texte in seiner Muttersprache – wahrscheinlich hauptsächlich für ein weibliches Publikum bestimmt, welches im Allgemeinen der lateinischen Sprache nicht mächtig war.
Judith – Die Geschichte
Judith ist zum einen eine fromme hebräische Frau, zum anderen aber auch eine wunderschöne und gefährliche Zaubererin, die in den Palast des assyrischen Feindes eindringt, den mächtigen General Holofernes verführt und ihn schließlich enthauptet. Die Agonie von Judith erzählt eine grausame Geschichte von Eros und Thanatos in einer intimen und fesselnden Art und Weise und benutzt Fragmente mittelalterlicher Streitgespräche der glagolitischen Tradition (auch bekannt als »Agonien«), die sich mit der Erzählung abwechseln. Diese eingefügten Episoden erlauben es uns für einen Augenblick die Haupthandlung zu verlassen, um den Vorgängen in den Köpfen der Charaktere zu lauschen: In dem Moment, als Holofernes Kopf von seinem Körper getrennt wird, verflüchtigen sich auch seine Gedanken in einen Dialog zwischen Körper und Seele. Dies geschieht in einem Zustand verklärten Schlafes kurz vor seinem Tod. Ein anderer innerer Dialog – zwischen Judiths Geist und ihrer Seele – findet im Kopf der Heldin statt, als sie Gott um Hilfe bittet, ihren Feind, der in sie verliebt ist, zu töten.
Musikalisch gesehen ist dieses Projekt eine Rekonstruktion aus gregorianischen, beneventanischen und glagolitischen Quellen des mittelalterlichen Dalmatien. Der Text von Judith überlebt ohne Musik, seine metrische Struktur entspricht jedoch einigen archaischen glagolitischen Melodien, die zum Geschichtenerzählen im mittelalterlichen Dalmatien benutzt wurden, oft im Rahmen der extrem emotionalen und dramatischen Lieder, die zur Zeit der Passion oder der Karwoche gesungen wurde. Der Text selbst geht zurück auf Schriften, die in liturgischen Sitzungen verwendet wurden. Insofern konnte der Auftrag der »Rekonstruktion« nur mithilfe von verwandten musikalischen Quellen (Dalmatien und Süditalien) und Melodien, die sich auf den Originaltext beziehen, erfüllt werden.
In diesem Zusammenhang war es notwendig, die ältesten Schichten des sogenannten glagolitischen Gesangs zu erforschen. Dieses liturgische Repertoire, gesungen im lokalen Volksmund (kroatisches Kirchen- Slawisch), ist in Manuskripten erhalten geblieben. Schriftliche Quellen erwähnen die Existenz dieses Gesangs in Dalmatien bereits im 11. Jahrhundert in den Kreisen der Geistlichen, die kein Latein sprachen. Deshalb ist das Überleben des mündlich überlieferten glagolitischen Repertoires bis zum heutigen Tag in einigen Orten an der kroatischen Küste, auf den dalmatischen Inseln und in Istrien besonders erwähnenswert.
In diesem musikalischen Monodrama werden Judith und Holofernes mit all ihren inneren Dämonen von einer einzigen weiblichen Stimme dargestellt, die sich in verschiedene Rollen hinein versetzt und mit einem weiten Spektrum stimmlicher Nuancen darstellt. Eine »Lirica« (ein traditionelles kroatisches Saiteninstrument, welches im archaischen Stil gespielt wird) und historische Flöten vervollständigen das Klangbild. Gemeinsam erzählen sie eine Geschichte, die sich durch ihre hohe Emotionalität auszeichnet und dieses alte Märchen mit seinen ausdrucksstarken und nostalgischen dalmatischen Melodien in einen fesselnden theatralischen Kontext übersetzt.
Karten:
€ 20,00 bis € 36,00
zuzügl. EUR 1,50 Systemgebühr pro Ticket
Schüler und Studenten 50% Ermäßigung
Kostenlose Tickethotline:
Tel. 0800 - 545 44 55 | Fax. 0800 - 545 44 44
Mo - Do: 9:00 - 17:00 Uhr | Fr: 9:00 - 15:00 Uhr
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